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Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell

Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Erde. Neben Treibhausgasen spielen dabei auch Aerosole - winzige Partikel in der Luft - eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen das Klima indem sie Sonnenlicht streuen und die Wolkenbildung verändern.
Ein internationales Forscherteam hat mittels Satellitenfernerkundung untersucht  wie viele Aerosole es eigentlich über dem arktischen Meereis gibt. Das war bisher kaum bekannt, weil Satellitenmessungen über der stark reflektierenden Schnee- und Eisoberfläche sehr schwierig sind.

Wissenschaftler des IUP der Abteilung von Prof. Bösch (ehemals die Abteilung von Prof. Burrows) haben eine  Methode namens AEROSNOW entwickelt, die erstmals zuverlässige Satellitenmessungen der Aerosolmenge (gemessen als "Aerosol Optical Depth", AOD) über arktischem Meereis ermöglicht - und zwar für fast ein ganzes Jahrzehnt (2003-2011).

Die Messungen zeigen ein klares saisonales Muster:
Frühling (April-Mai): Erhöhte Aerosolwerte (AOD ~0.08-0.18) besonders an den Eisrändern nahe Kanada, Alaska und Sibirien. Dies ist der bekannte "Arktische Dunst" - verursacht durch den Transport von Schadstoffen aus mittleren Breiten in die Arktis. Sommer (Juni-August): Deutlich sauberere Luft (AOD ~0.05-0.07) durch stärkere Regenfälle und schwächeren Transport von Schadstoffen.

Die Forscher verglichen die AEROSNOW Messungen mit Simulationen von 16 verschiedenen Klimamodellen (CMIP6). Das Ergebnis ist ernüchternd. Die meisten Modelle unterschätzen den Arktischen Dunst: 12 von 16 Modellen unterschätzen die Frühlings-Aerosole um 40-75%. Sie simulieren zu wenig Partikeltransport aus mittleren Breiten in die Arktis

Vier Modelle überschätzen die Aerosole um bis zu 340%. Sie simulieren zu wenig Niederschlag der die Partikel auswäscht. Der Durchschnitt aller Modelle scheint augenscheinlich gut zu passen. Allerdings nur weil sich die Fehler gegenseitig aufheben - nicht weil die Modelle korrekt sind.

Mittlere Aerosol Optische Dicke (AOD) für Frühling (April-Mai) und Sommer (Juni-August) mit Hilfe von AEROSNOW von Satelliten Beobachtungen abgeleitet.

Swain, B., Vountas, M., Singh, A. et al. Large inter-model spread in simulated aerosol load over Arctic sea ice. npj Clean Air 2, 37 (2026). https://doi.org/10.1038/s44407-026-00080-7